The Roaring Thirties bei den Vintage Race Days 2016

André Kämpf

Nuvolaris Motto
Nuvolaris Motto

"Donne e Motori - Gioie e Dolori" - dieses der sagenumwobenen Mille-Miglia-Legende Tazio Nuvolari zugeschriebene Zitat ziert eines der teilnehmenden Fahrzeuge bei den Rasteder Vintage Race Days 2016, die am vergangenen Wochenende bereits in ihre vierte Auflage gingen.

 

"Frauen und Motoren - Freude und Schmerzen" - treffender lässt sich der schmale Grat vielleicht nicht beschreiben, auf dem sich der Rennfahrer in der Frühzeit des Autombilsports bewegt hat. Mindestens bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts lagen Freude und Leid - im schlimmsten Fall in Form des "Todessturzes", wie man es damals auch oft nannte, für den Rennfahrer ganz dicht zusammen. Nuvolari hat das in einem überlieferten Zitat Enzo Ferrari gegenüber ganz pragmatisch gesehen: "Man hat mir gesagt, Du bist ein guter Organisator, doch ich sehe, dass das nicht stimmt. Du hättest mir nur eine Fahrkarte besorgen sollen. Wer Rennen fährt, muss immer damit rechnen, dass er die Heimfahrt in einer Holzkiste antritt." Eine makabre, aber leider auch nicht ganz unrealistische Betrachtungsweise. Warum sind die Rennfahrer todesverachtend trotzdem immer wieder aufs  Neue angetreten? Weil die "Droge Rennsport" einfach zu unwiderstehlich ist und weil "jeder davon ausgegangen ist, dass es beim nächsten Mal sicher einen anderen trifft", wie Jackie Stewart es einmal in einem Vortrag ausdrückte.

Nuvolaris Schildkrötenbrosche
Nuvolaris Schildkrötenbrosche

Der "fliegende Mantovaner", wie der Volksmund Nuvolari auch nannte, stilisierte sich damals schon selbst zur Ikone. Stets in brauner Lederweste über dem gelben Strick-Pullover am Start, in blauen Hosen und mit handgefertigten englischen Lederschuhen, fiel er ohne Zweifel auf. Sein Markenzeichen war daneben die goldbronzene Schildkröte, die er als Brosche am Pulloverkragen trug, ein Geschenk des Dichters Gabriele d'Annunzio - das langsamste Tier für den schnellsten Mann.

 

 

1933er Alfa Romeo 8C 2300
1933er Alfa Romeo 8C 2300

Der wunderbar patinierte Alfa Romeo 8C 2300, den man in Rastede bewundern konnte, entspricht dem Fahrzeugtyp, mit dem Nuvolari auf dem Höhepunkt seiner Karriere einige seiner größten Erfolge feiern konnte. Er konnte damit unter anderem 1933 den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans gemeinsam mit seinem französischen Teamkollegen Raymond Sommer herausfahren. Im gleichen Jahr triumphierte er auch bei der Mille Miglia.


Ein Stelldichein der großen Namen auch in diesem Jahr in Rastede

Das Besondere des Vintage-Race-Days-Konzeptes ist die Konzentration auf eine ganz bestimmte Epoche, eben die "Vintage Days" des Motorsports, im wesentlichen die 30er- und 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Fabrikate, die damals die Szenerie bestimmten, und von denen man einige nun auch in Rastede in freier Wildbahn bewundern konnte, kamen aus ganz Europa. Frankreich steuerte die Bugattis, Delages und Delahayes bei, aus Deutschland drängten sich spätestens in den 30ern mit Macht die fast furchterregende Über-Autos von Mercedes-Benz und der Auto-Union in den Fokus der Öffentlichkeit. Italien konterte mit Alfa, Ferrari, Maserati und Lancia und aus England kommend sorgten die kleinen, aber ungemein wendigen MG und Riley sowie die gigantischen "Renn-LKW's" aus dem Hause Bentley für Furore auf den europäischen Racetracks. Hier sei besonders hervorgeheben die Bentley-Siegesserie in Le Mans in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre. Die illustren und schillernden "Bentley-Boys", u.a. Tim Birkin und Woolf Barnato (der das Unternehmen später sogar aufkaufen sollte), konnten damals die Langstrecken-Solidität der Schlachtrosse aus Cricklewood eindrucksvoll unter Beweis stellen.

 

Wenn man die Fahrzeuge auf der Rasteder Piste in Aktion erlebt, die Haare der Fahrer zerzaust vom Fahrtwind, eingehüllt in eine mitunter dichte Staubwolke, die Luft parfümiert vom Duft des Motoröls und der Abgase, bekommt man eine ungefähre Ahnung, wie es damals gewesen sein muss im Rennbetrieb auf Europas Landstraßen. Es war ja bis weit in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts noch üblich, die großen Rennen auf öffentlichen Straßen zu fahren, sei es nun in Italien bei der Mille Miglia oder der Targa Florio oder in Frankreich bei der Tour de France Automobile oder den legendären 24 Stunden von Le Mans. Für die Öffentlichkeit gesperrte, speziell für den Rennbetrieb angelegte Rennkurse, wurden erst später üblich, da die öffentlichen Straßenrennen aus Sicherheitsgründen immer weniger zu verantworten waren.

So haben uns die Vintage Race Days auch im Detail begeistert

Fotos: Thomas Koscheike und André Kämpf

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Kommentare: 4
  • #1

    Tommy (Dienstag, 03 Mai 2016 17:42)

    Klasse - Tolle Geschichte und eine sehr schöne Fotoauwahl...

  • #2

    Mario (Sonntag, 29 Mai 2016 21:32)

    Klasse Bilder und klasse Geschichte danke!!!!

  • #3

    Karey Stribling (Sonntag, 05 Februar 2017 04:27)


    This text is priceless. Where can I find out more?

  • #4

    Erminia Correia (Montag, 06 Februar 2017 14:32)


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