Grand Prix von Monaco: 1966 war ein ganz besonderer Jahrgang

André Kämpf

Der an diesem Wochenende bereits zum 74. Mal ausgetragene Grand Prix von Monaco ist Legende. Er nimmt im Grand Prix Circus eine herausragende, wenn nicht die herausragende Stellung ein und wird von vielen auf eine Stufe gestellt mit den 24 Stunden von Le Mans und den 500 Meilen von Indianapolis. Mit Sicherheit ist es das verrückteste Formel-1-Rennen der ganzen Saison. Hier kommt alles zusammen:  elitärer Glamour, teils haarsträubende, durch die extreme Enge bedingte Arbeitsbedingungen im Fahrerlager, extreme Beanspruchung von Fahrer und Material - und das alles vor grandioser Architektur- und Naturkulisse. Die ganz spezielle fahrerische Herausforderung eines Stadtkurses wie Monaco bringt ein von Nelson Piquet überliefertes Zitat besonders anschaulich auf den Punkt: "Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer." Dass es bei unter diesen Umstäden schwer zu realisierenden optimalen Sicherheitsstandards in der Geschichte des Grand Prix von Monaco erst einen Todesfall zu beklagen gibt, grenzt dabei schon fast an ein Wunder. Der Italiener Lorenzo Bandini ist 1967 der Unglückliche, der offenbar dem Druck nicht standhalten kann, nach zwei hervorragenden zweiten Plätzen 1965 und 1966 (dem Rennen, das es hier nun gleich zu besprechen gilt), zum Saisonauftakt 1967 nun doch endlich die von seinen Landsleuten herbeigesehnten Siegeslorbeeren einzufahren. Er zerschellt an der Kaimauer kurz hinter der Schikane und das dabei entstehende Flammenmeer läßt ihm keine Chance. Weniger Tage später erliegt er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie im Titel schon angedeutet, ist dem Monaco-Jahrgang 1966 ein Platz in den Geschichtsbüchern der Formel 1 aus zwei Gründen sicher, die Thema zweier Folgeartikel sein sollen und daher hier nur kurz angerissen werden: Zum Ende der Saison 1965 hat man die von vielen ungeliebte und oftmals, vielleicht in der Rückschau zu Unrecht, belächelte 1,5-Liter-Formel in Rente geschickt. Die ab 1966 gültige neue 3-Liter-Formel, die an eben diesem Grand Prix von Monaco 1966 ihren Ausgang nahm, sollte dagegen zu einer der bis heute erfolgreichsten und langlebigsten Regelwerke der Formel-1-Geschichte werden. Vielleicht ist es nicht verfehlt, zu behaupten, die Formel 1 der Neuzeit nimmt mit dem Beginn der 3-Liter-Formel 1966 in Monaco ihren Ausgang. Der Innovationsdruck, der von ihr ausging, sollte schon im zweiten Jahr seiner Austragung den legendären Ford Cosworth Motor hervorbringen. Immerhin muss man zur Ehrenrettung der 1,5-Liter-Formel konstatieren, dass das vielleicht größte Formel-1-Naturtalent aller Zeiten in dieser von 1961 bis 1965 ausgetragenen Übergangsformel seine spektakulärsten Vorstellungen liefert und in der Zeit auf Lotus zweimal Weltmeister werden kann.

Der zweite, mindestens ebenso bedeutsame Meilenstein, der an diesem Wochenende gesetzt wird, ist das erstmalige Auftreten eines McLaren-Rennwagens in der Formel 1. Gesteuert von seinem Schöpfer Bruce McLaren höchstpersönlich, beginnen an diesem wolkenverhangenen Mai-Sonntag die ersten sehr zaghaften Gehversuche eines Teams, das sich nach einer zunächst jahrelangen Durststrecke, immer vorwärtsgetrieben vom Durchhaltevermögen und dem Ehrgeiz seines Teamchefs, zu einem der erfolgreichsten Teams der Formel-1-Geschichte entwickeln sollte. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält und dem Team in den 50 Jahren seines Bestehens nahezu unglaubliche 30 Podiumsplätze in der Konstrukteurs-WM einbrachte, gekrönt von ganzen 7 Weltmeistertiteln.

Und drittens, zumindest als Randnotiz interessant: Der Monaco Grand Prix von 1966 ist gleichzeitig Rahmenkulisse für den Auftakt von John Frankenheimers Kultfilm "Grand Prix". Gerade die Inboardaufnahmen in diesem Film vermitteln einen sehr authentischen Eindruck davon, wie es sich für Stewart, Bandini, Surtees und Ihre Konkurrenten angefühlt haben muss, ihre Boliden duch die engen Gassen Monacos zu zirkeln, ein Kurs, der sich insbesondere auch durch seine tückischen, hohen Bordsteinkanten auszeichnet.

Doch an dieser Stelle zurück zum Morgen des 22.Mai 1966. Jackie Stewart ist bereits früh wach. Er hat unruhig geschlafen und ist ein wenig nervös, denn dies ist kein Grand Prix Morgen wie jeder andere. Durch die neue Rennformel ist nichts mehr wie es war und die Karten werden neu gemischt. Eine neue Saison steht in den Startlöchern und Jackie hat sich viel vorgenommen, für dieses Rennen und für die ganze Saison. Er ahnt an diesem Morgen natürlich noch nicht, dass die noch junge Saison für ihn schon einige Wochen später eine böse Überraschung bereithalten würde. Beim im Juni stattfindenden Großen Preis von Belgien wird er schwer verunglücken und dieses traumatische Erlebnis soll sich für ihn und für den gesamten Grand-Prix-Zirkus als bahnbrechender Wendepunkt erweisen. Das Thema Sicherheit im Rennsport, bis dahin eher belächelt, wird für ihn zu einer fast fanatischen Mission, die ihn bis heute antreibt.

Den Herausforderungen der neuen 3-Liter-Formel sind nicht alle Teams auf Anhieb gewachsen. So kommt es, dass wir es mit einem bunt zusammengewürfelten Fahrerfeld zu tun haben. Unter den 16 teilnehmenden Fahrzeugen sind lediglich 7, die das Hubraum-Limit voll ausgeschöpft haben. 5 Fahrzeuge bleiben gar unterhalb der 2-Liter-Grenze. Diese Tatsache zeigt deutlich, welche Schwierigkeiten die Teams hatten, rechtzeitig passende, ausreichend leistungsfähige und v.a. durchhaltefähige Triebwerke zu organisieren. So wird viel improvisiert und interessanterweise erweisen sich die 3-Liter-Motoren am Ende als am wenigsten durchsetzungsfähig. So ist es schon kurios, dass bei der Endabrechnung die ersten 4 Plätze von Fahrzeugen belegt werden, die noch nicht der neuen Formel entsprechen (1. Stewart, 2-l-Hubraum / 2. Bandini, 2.4-l-Hubraum / 3. Hill, 2-l-Hubraum / 4. Bondurant, 2-l-Hubraum) und das bei überhaupt nur sechs ins Ziel gelangten Fahrzeugen.

Vom Start weg prescht John Surtees, der Weltmeister von 1964, davon, muss sich dann aber nach 14 Runden mit Getriebeschaden geschlagen geben. Stewart übernimmt mit sicherem Vorsprung vor Jochen Rindt (der später ausfällt) und Lorenzo Bandini, der bei seinem engagierten Versuch, Stewart einzuholen, auch noch eine schnellste Rennrunde für sich verbuchen kann. Der aus der Pole-Position mit hakendem erstem Gang gehandicapt ins Rennen einsteigende Jim Clark muss sich nach furioser Aufholjagd, die mal wieder seine absolute Weltklasse unter Beweis stellt, einem Strohballen am Streckenrand geschlagen geben, der ihm eine beschädigte Hinterradaufhängung beschert - und das, nachdem er kurz zuvor Graham Hill im Kampf um den 3.Platz bezwungen hatte. Damit ist auch schon das Wesentliche zum Rennverlauf gesagt. Eine enorm hohe Ausfallquote und am Ende der zweite Grand-Prix-Sieg für Jackie Stewart, der bereits erahnen lässt, was von ihm in den kommenden Jahren noch zu erwarten sein würde - auch wenn diesem Sieg zunächst eine zwei Jahre andauernde  Durststrecke folgen wird. Mit gebührendem Abstand reihen sich hinter ihm ein: Lorenzo Bandini bei seinem leider letzten Monaco-Auftritt, Graham Hill, Robert Bondurant und mit Guy Ligier und Joakim Bonnier die beiden einzigen 3-Liter-Aspiranten.

 

Es bleibt spannend, wie die Teams im weiteren Saisonverlauf den Herausforderungen der neuen Rennformel begegnen werden ...

Diese Videospiel-Simulation vermittelt einiges an Rennatmospäre - wenn auch bei nicht ganz ernstzunehmender Ergebnisliste ...

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Kommentare: 1
  • #1

    Loma Shumway (Mittwoch, 01 Februar 2017 15:58)


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